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Kennst du den Affengeist?

February 27, 2017

 

Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit. Friedrich Schiller


                                                                                                        

Vor zwei Wochen hatte mich der Affengeist seit langem wieder einmal so richtig erwischt. Mein Körper vibrierte auf unangenehme Art. Und mir passierten lauter kleine Missgeschicke. Ich brannte mich am heissen Kaffeekrug, erwischte eine Holzspriesse, verbrannte mich wiederum am Schwedenofen und es fielen mir öfters Gegenstände auf den Boden. Als schlussendlich ein glasiger Pfannendeckel in tausende von Scherben am Boden zersprang, sagte ich mir: "Stopp Katja! Sei wieder ganz bei der Sache und handle achtsamer!" Ich lauschte einen Moment lang nur meinem Atem und verlangsamte das Tempo. Ich versuchte jede Handlung, die ich in diesen folgenden Minuten tat, ganz in meinem Körper wahrzunehmen. Wie fühlt es sich an, wenn ich den Wasserhahn öffne? Wie ist mein Atem dabei? Wie fühlt sich das Wasser an? Ich spürte, die sofortige Veränderung in Körper und Geist.

 

Aber was genau ist denn ein Affengeist? Dazu eine kleine Geschichte von Ajahn Brahm.

 

An einem Feiertag erhielt ein buddhistisches Kloster Besuch von einem Affen. Zu diesem Anlass würden so viele Leute mit wohlschmeckenden Opfergaben kommen, hatte er sich gedacht, dass für ihn dabei bestimmt ein gutes Mittagessen herausspringen würde. Vielleicht würde jemand eine Mango fallen lassen oder einen Apfel. Während er so vor der Meditationshalle wartete, bekam er zufällig mit, wie ein Mönch einen Vortrag über den Affengeist hielt. „Unter einem Affengeist“, sagte der alte Mönch, „versteht man einen unruhigen Geist, der von Hölzchen auf Stöckchen kommt, genau wie die Affen im Dschungel immer von einem Ast zum nächsten springen. Es ist ein schlechter Geist, der durch die Praxis der Meditation zurechtgerückt werden muss, damit er seinen Frieden finden kann.“

Als der Affe hörte, das der Affengeist etwas schlechtes sei, wurde er böse. „Was soll das denn heißen: der Affengeist ist ein schlechter Geist! Diese Menschen beleidigen uns Affen. Das ist ungerecht. Es ist einfach nicht richtig! Dagegen muss ich etwas tun!“ Dann schwang er sich von Ast zu Ast nach Hause und machte bei seinen Freunden seinem Ärger Luft.

Bald war die ganze Affenbande auf den Beinen, sprang auf und nieder und kreischte wild durcheinander: „Wir lassen uns doch nicht beleidigen! Das ist Artendiskriminierung! Wir Affen haben auch Rechte!“

„Stopp!“, befahl ihr Anführer. „Versteht ihr denn nicht? Dieser Mönch hat vollkommen recht. Schaut euch doch nur an: Ihr springt da auf und nieder und macht einen Heidenlärm. Das kommt dabei heraus, wenn man einen Affengeist hat. Ihr könnt einfach nicht stillsitzen ihr Affen!“

Die Affen erkannten, dass ihr Anführer die Wahrheit sagte. Sie alle waren mit einem Affengeist gestraft und würden nie Frieden finden. Sie ließen frustriert die Köpfe hängen.

Da meldete sich der Affe zu Wort der im Kloster gewesen war. „ Mir ist gerade eine Idee gekommen. Dieser Mönch hat gesagt, dass man den Affengeist überwinden und zur Ruhe kommen kann, wenn man meditiert.“ Glücklich sprangen die Affen auf und nieder und kreischten wild durcheinander. „Ja, cool! Lasst uns meditieren!“ „Aber wie geht das überhaupt?“, fragte einer der Affen.

„Als Erstes brauchen wir ein Kissen zum draufsitzen!“, meinte einer der Affen. „Ja! Cool! Suchen wir uns ein Kissen!“ Also suchte sich jeder ein Kissen und setzte sich darauf.

Alle Affen begaben sich in meditative Versenkung. „Entschuldigt mal kurz!“ unterbrach einer der Affen. Alle schlugen die Augen auf. „Mir ist gerade eben eingefallen dass, wir heute zum Mittagessen Bananen essen wollten. Was meint ihr? Wollen wir nicht noch schnell die Bananen für später holen? Dann wäre das schon einmal erledigt.“ „Klar, spitze Idee!“, kreischten alle und sprangen wild durcheinander. Als sie alle Bananen geholt hatten, begaben sie sich wieder in tiefe meditative Versenkung. Nach zwei Minuten hob einer der Affen die Hand. „Entschuldigt mal kurz. Bevor wir nach der Meditation die Bananen essen können, müssen wir sie ja auch noch schälen. Lasst uns das zuerst erledigen, dann kann ich auch wieder in Ruhe meditieren und es geht nachher schneller am Mittagstisch ohne ständig daran denken zu müssen.“

„Aber klar doch! Daran haben wir auch schon gedacht“, brüllte der Rest der Affenbande. Also sprangen sie mal wieder auf und nieder, kreischten und schälten die Bananen. Nachdem das geschehen war, begaben sie sich wieder auf ihre Kissen und gingen in meditative Versenkung. „Entschuldigt mal kurz,“ rief schon nach wenigen Sekunden einer von ihnen. Bevor wir die Bananen futtern können, müssen wir sie uns ja erstmal ins Maul schieben. Lasst uns das erst erledigen, dann können wir nachher in aller Ruhe meditieren, ohne daran denken zu müssen.“

„Was für eine klasse Idee!“ Alle Affen sprangen auf und nieder, kreischten und steckten sich die Banane ins Maul. Aber ohne sie zu essen. Sie setzten sich erneut und gingen in meditative Versenkung. Nachdem alle die Augen geschlossen hatten, wurden die Bananen natürlich sofort aufgefuttert. Dann standen die Affen auf und machten sich davon. Das war die erste und einzige ihrer Meditationssitzung.

 

Die Geschichte zeigt uns, warum es uns Menschen so schwer fällt, zur Ruhe zu kommen. Die meisten von uns haben einen Affengeist. Das heisst: 

Ich erledige das nur noch kurz und dies auch noch, dann setze ich mich ganz schnell hin und entspanne mich.  


Zurück zu mir. Mein Geist sprang also von einem Gedanken zum anderen ohne wirklich bei der Sache zu sein. Als ich das eine tat, war ich in Wirklichkeit schon bei der nächsten Handlung. Was also tun, wenn ich bemerke, dass mein Geist wie wilde Affen umherschwirren?

 

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten um seinen Affengeist zur Ruhe kommen zu lassen. Ich praktiziere gern über den Körper, sehe meinen Körper als Fahrzeug zur Veränderung, zur Transformation. Deshalb praktiziere ich bewegte Meditationen wie Lu Jong und Tod Chöd. Jedoch auch stilles Sitzen und mich bewusst auf den Atem fokussieren hilft meinen Geist zu beruhigen, oder ich werde mir den Bewegungen und Handlungen ganz bewusst. Nehme wahr, was in mir geschieht, wenn ich etwas mache.

 

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten. Suche für dich die passende! Probiere aus und beobachte, was deinen Geist am besten zur Ruhe bringt. 

 

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